Wie solidarisch sind wir noch?

Mal nicht gleich darauf abgestellt, wie alles mit den mehr oder weniger guten Regelungen in der Pandemie funktioniert. Aber so eine „Krise“ ist wohl ein guter Prüfstein und Spiegel dafür.

Wenn ich nur schnell genug bin, dann bekomm‘ ich einen Vorteil, mögen doch andere bleiben, wo sie sind. Und wenn ich nicht schnell genug war, dann muss mich irgendjemand über’s Ohr gehauen haben. Schließlich steht mir das größte Stück zu! Und jetzt kommt die böse Obrigkeit noch mit Regeln und schränkt mich weiter ein. Wo bleibt da meine Freiheit? Wo ich doch selbst am besten weiß, was für mich gut ist und natürlich alles in „Eigenverantwortung“. Die „Kundenmentalität“ von Precht sagt es nur zum Teil aus. Aber das Geschwurbel von Nena und Fans lässt tief blicken und macht mich traurig.

Denn Eigenverantwortung ist eben nicht, dass ich machen darf oder kann, was ich gerade will, wenn ich es für mich für angemessen halte. Ja, wenn ich mich zu Tode saufen möchte, dann geht es den „Staat“ nichts an. Ja, mein Privateigentum möchte ich geschützt sehen. Und jeder ist wohl froh, dass das besser als früher gegeben ist. Und in persönlichen Dingen möchte ich mir selbst natürlich auch nicht reinreden lassen. Ja, das ist gut so. Manche mutmaßen nun noch, jetzt sollen solche diversen Rechte nebenbei mit einkassiert werden.

Aber niemand ist allein auf der Welt. Und mit Rechten gingen immer auch Pflichten einher, anders kann eine Solidargemeinschaft nicht funktionieren. Der Begriff der Pflicht ist ein altmodischer Begriff, erinnert an den Untertan. In der heutigen Bedeutung war sie aber eigentlich nie unmodern. Denn zu ihr gehört auch die eigentliche Verantwortung, schließt ein, Rücksichtnahme gegenüber anderen zu üben.

Und Leute zu schützen, die sich nicht mit starken Ellenbogen am Wühltisch vordrängeln können, das geht den Staat sehr wohl was an. Pervers nennen wir sie „Schwache“. Eigentlich undenkbar, wo doch auf den Fahnen steht, Benachteiligung für jedwede Gruppen, geschlechtlich, von der Herkunft oder religiös aufzuheben. „Schwach“ werden wir aber doch ‚mal alle, sei es durch finanzielle Not, Krankheit oder einfach im Alter. Älter wird jeder. Sollten wir sowas etwa schon alles verdrängt haben?

Und, weil’s gerade reinpasst, kurz doch der Schwenk ins Aktuelle. Größtenteils machen wir nur noch Online-Zugänge, auch bei der Impfanmeldung. Altersprioritäten werden aufgehoben, obwohl es eigentlich an der Geschwindigkeit und Nachschub an Impfstoffen fehlt. Wer nicht richtig mobil ist, hat es doppelt schwer. Lokale Infos muss man sich mühsam suchen.

Ausblick Fehlanzeige, genug unerledigte Planung bei den Offiziellen also. Schließlich fordern die Demonstranten leider auch nicht das gemeinsame Anpacken, sondern jeder einzelne kommt mit seinem eigenen, mitunter verständlichem Frust. Und in der Firma laufen die Unbelehrbaren bis heute ohne Mundschutz rum. Bei den ganzen Analysen, nicht vorhandenen Schulöffnungszeiten, kulturellen Angeboten etc., kommt auch der Zwist zwischen Jung und Alt so richtig zu Tage, den niemand braucht.

Was bleibt ist ein rauhes Klima in der Krise, keine guten Zeiten für Gemeinsinn. Und alles keine guten Voraussetzungen, wenn man eh schon auf Hilfe angewiesen ist! Sollen zukünftig nur die vermeintlich Starken, Gewandten und Hinterhältigen unser Fortkommen bestimmen?

Trotzdem, egal wie laut und verquer er gerade schreit, ich wünsche jedem, genau die Hilfe zu bekommen, auf die er vielleicht im Fall der Fälle später einmal selber angewiesen ist. Denn das macht eine wirklich wertvolle Gesellschaft aus…

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