Theorie der Unbildung

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Allgemein

Keine Ahnung, ob das in Zukunft so klappt, zum Ende des Monats hier aber wieder eine kleine Buchvorstellung von zuletzt Gelesenem, „Theorie der Unbildung“.

Konrad Paul Liessmann schreibt ueber die „Irrtuemer der Wissensgesellschaft“. Der Wiener Philosoph unterscheidet dann auch zwischen „Information mit Bedeutung“ und Sonstigem, was so an Daten auf uns einstroemt. Macht aufmerksam darauf, dass wir zwar in einer Gesellschaft leben, in der sogenanntes Wissen (besser: Daten) allgemein verfuegbar ist, aber uns nicht zwangslaeufig in eine „Wissensgesellschaft“ bringt. Und dass es dabei eine Menge Defizite aufzuholen gilt.
 

Hat man das durch, dann stimmt man dem Buch zumindest teilweise zu. Wie ich auch, der neben dem Diplomingenieur auch eine halbwegs humanistische Bildung mitbekommen hat. In Spielshows wird kein wirkliches Wissen abgefragt, das ist klar. Und obwohl wir eine „Informationsgesellschaft“ haben, verarmen wir in dem, was wir uns selbst tagtaeglich medial antun. Und zum Beispiel in dem, dass wir Platitueden nacheifern, wie „Man muss nur wissen, wo es steht…“.

Aus dem Herzen gesprochen hat er mir deshalb auch, da er in diesem Sinne feststellt, dass man kein Wissen verwalten oder „managen“ und anschliessend weitergeben kann, da es nicht um Datenbanken, sondern um das ureigenste im Menschen geht. Ein Trugschluss sogenannter CEOs also. Ja, wir koennten auf allen Ebenen weiter sein, sind es aber nicht. Und die Eltern sind nicht besser als ihre Kinder.
 

Buch02 T in Theorie der Unbildung
 

Er sagt aber auch, dass – neben unzureichender Bildung – die „Unbildung“ keine eigens verschuldete Situation ist, sondern wir uns in einer Gesellschaft befinden, in der sich dies zwangslaeufig abzeichnen muss. Da es laut ihm heutzutage keinen Vergleichsanker mehr gibt, an dem man wirkliches Wissen messen kann. Und das gefaellt der jeweils herrschenden Klientel. Hmm. Die Messlatte ist also weg. Einerseits ein duesteres, aber auch realistisches Bild, was man erstmal begreifen und akzeptieren muss, um darauf erfolgversprechend aufzubauen. Wer immer das in die Hand nehmen moechte…
 

Wenn wir also „Wer wird Millionaer“ als das maximal Vermittelbare ansehen und Infotainment-Sendungen wie „Galileo“ mit Wissensvermittlung verwechseln, neben alldem sonstigen medialen Schrott, in welche Katastrophe steuern wir dann hin? Das hat mich so beim Lesen umgetrieben. Ein wirkliches Rezept kann Liessmann nicht bieten, erhebt diesen Anspruch aber auch gar nicht. Seine Analyse gefaellt mir zu einem grossen Teil aber. Deshalb mag man sein Buch (aus Februar 2011) moegen und weiterempfehlen…
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blue Captcha Image
Refresh

*