Smartwatch Test

Unser Vergleich aktueller Smartwatches, welche zum Jahreswechsel 2017/18 verfügbar waren, soll sich um Modelle bis circa 100 Euro drehen, aus dem preiswerten Segment also.

Mich hat schon immer interessiert, was man da derzeit bekommen kann. Und so war es auch gewollt, sich an den „Nonames“ zu orientieren und verschiedene Ausstattung zu testen. Mit dabei also eine CHEREEKI, UWATCH US18, DIGGRO 01 und KW88 von Kingswear. Die Geräte gab es jeweils für 23, 60, 110 und 80 Euro zu erwerben, mit den üblichen Preisschwankungen natürlich.

UWATCH US18

Die US18 liegt preislich in der Mitte der getesteten Teile und hat noch kein Android-Wear, sondern ein eigenes Betriebssystem.

Sie kommt in einer repräsentativen Verpackung mit Versandschutzfolie auf dem Display und schon mit einem magnetischen Ladeadapter. Das wechselbare Lederarmband (keine Antenne im Armband integriert) ist ein Pluspunkt und hat eine konventionelle Schließe. Eine Speichererweiterung per SD-Karte ist nicht möglich. Sie hat keine separate SIM, das macht sie aber schön kompakt.

Die Kopplung zum Mobiltelefon kann man, wenn man bei der Watch in den BT-Einstellungen Bluetooth auf „Strom Ein“ gestellt hat, komplett vom Handy aus vornehmen. Dort erscheint ein Gerät „US18“ zweimal. Man wählt das erste für Anruffunktion und Medienwiedergabe. Bei erfolgreicher Kopplung bekommt man das per Symbolen auf der Watch angezeigt. Datum und Zeit synchronisieren sich dort automatisch. Die Sichtbarkeit der Watch schaltet sich danach auf „aus“. Änderungen an den Einstellungen können auf der Uhr dann nur vorgenommen werden, wenn die Verbindung am Mobiltelefon getrennt wird. Trennt man die Verbindung handyseitig, dann kann man sie jederzeit per Auswahl der zuletzt gekoppelten Geräte wieder aufnehmen, ohne weitere Eingaben machen zu müssen.

Getestet wurde auf einem Samsung A5 mit Android 7.0, was gut geklappt hat. Mit einer erfolgreichen Synchronisierung kriegt man Telefonbuch und Anrufprotokoll gefüllt. Der Dialer ruft die Kontakte klaglos an, klar dass man sich nicht über die Audioqualität unterhalten muss. Auch der Kalender macht einen guten Eindruck. Ganz einfach kann man einen neuen Alarm hinzufügen, welcher ohne angeschlossenes Handy funktioniert. OK soweit.

Natürlich kann man vom Funktionsumfang keine Wunder erwarten, man hat eben kein Tizen oder Android-Wear zur Verfügung. In die wenigen Menüs hat man sich schnell eingearbeitet. Für Notifications ist „Fundo-Wear“ für Android oder iOS auf dem Phone zu installieren (2D-Code in der Anleitung scanbar). Für die Koppelsoftware gibt es einen Minuspunkt für die Übersetzung. Für den Europäer steht nur Englisch zur Auswahl und an einigen Stellen bleiben die chinesischen Schriftzeichen stehen.

Der Touchscreen hat nur die 240px Basisauflösung, ist aber ein Fullscreen, bei dem unten nichts abgeschnitten ist. Ein Wisch nach Rechts ist im Menü immer „Back“. Aus dem Standby holt man dieWatch mit kurzem Druck auf die Krone, zuerst erscheint dann immer das Ziffernblatt. Von diesem aus führt jedwede Touchbewegung zu den Apps. Zum Ziffernblatt kommt man auch, wenn man im aufgeweckten Zustand die Krone drückt, eine Drehbewegung hat keine Funktion.

Bei mir lag die Standby-Zeit (2,5 Tage) und die Zeit bei regelmäßiger Benutzung (1,5 Tage) sogar etwas höher als bei den großen Brüdern aus dem Billigsegment. Der kleine Akku profitiert offenbar vom geringeren Stromverbrauch von Display und Rechnerkern , denn sie hat keinen Quadcore wie einen MTK6580 zum Beispiel und die Auflösung könnte auch besser sein.

(-)
Bei Funktionsumfang, Performance und Ablesbarkeit muss man also zurückstecken. Die Menüs sind gerade noch so groß, dass es über Finger bedienbar bleibt. Sie sind gut aufgebaut, aber die Schrift ist manchmal echt zu klein. Auch etwas mehr Speicher wäre wünschenswert. Einen Store zur Nachinstallation von eigenen Anwendungen gibt es freilich nicht. Der Punkt „Bewegung“ ist bei Fundo-Wear nicht ins Englische übersetzt.
(+)
Trotzdem läuft die Synchronisationssoftware überraschend stabil, und man kann die Watch durchaus so benutzen, wie sie eben ist. Der Stromverbrauch ist moderat. Das Preis-Leistungsverhältnis finde ich deshalb OK. Es handelt sich also nicht um eine Mogelpackung, man bekommt ein verwendbares Produkt. Interessant finde ich das Edelstahlgehäuse, ist ein cooles Design. Und man hat keinen „großen Brummer“ am Handgelenk…

CHEREEKI

Beim Auspacken der „Chereeki“ hat man einen recht sparsamen Karton vor sich (muss erstmal nicht schlecht sein). Die Uhr ist insgesamt für den Versand geschützt, aber das Display hat keine abziehbare Schutzfolie.

Was gleich auffällt, dass per Micro-USB geladen werden muss, es gibt keinen magnetischen Ladeadapter. Es wird aber ein SIM-Steckplatz zur autarken Kommunikation ins GSM-Netz geboten und es gibt sogar noch einen Steckplatz für eine Micro-SD zur Speichererweiterung. Deshalb kommt sie auch globiger daher. Das Kautschukband ist nicht wechselbar.

Hier sollen also für weniger Geld noch mehr Features geboten werden. Dafür hat man aber bei der Ergonomie und anderen Stellen gespart. Das hat sich bei uns dann leider dadurch gezeigt, dass die Watch nach dem ersten Laden bereits defekt gegangen ist und danach kein Lebenszeichen mehr abgegeben hat.

Deshalb konnte auch nicht weiter getestet werden. Vielleicht haben da ja andere mehr Glück. Aber hinsichtlich der angegebenen Parameter für Display und CPU, die nicht besser als bei unserem ersten Testobjekt sind, hat man auch nichts verpasst. Da würde ich eher raten, etwas mehr Geld auszugeben und von den ganz krassen Billigheimern abzulassen, damit man auch ein bisschen Freude an seiner Neuerwerbung hat.

DIGGRO 01

Unter dem Label „DIGGRO“ findet man mehrere im Online-Verkauf. Die „DIGGRO 01“ ist da nicht die Schlechteste. Da ist man schon bei den Modellen, die Android-Wear 2.0 an Bord haben. Damit wird es möglich, eigene Apps mit Android 5.1-Kompatibilität zu installieren. Vielmehr hat man aber einen gewissen Standard zur Verfügung. Der zeigt sich für den Nutzer bei den vorinstallierten Applikationen und bei der Bedienung.

Beim leistungsfähigsten Modell der Diggro-Reihe war auch beim Versand alles ordentlich verpackt. Im Lieferumfang waren neben dem Ladekabel und einem etwas ausführlicherem Manual auch einkleiner Schraubendreher zum Öffnen des rückwärtigen Deckels für die SIM. Nicht unerheblich, denn schnell hat man die Kreuzschlitze der fast mikroskopisch kleinen Schrauben verschlissen, wenn man nicht mit dem passenden Werkzeug arbeiten kann. Auf der Rückseite befindet sich nebem dem SIM-Steckplatz auch noch ein Pulssensor. Den hatten die bisher getesteten Modelle noch nicht.

Entsprechend dazu wurde auch die korrespondierende Software auf dem Mobiltelefon mit einfachen Fitnessfunktionen wie Schrittzähler und Pulsmesser ergänzt. Dass man da nur rudimentär daherkommt, finde ich nicht nachteilig. Denn der Sportler wird sowieso auf spezielle Fitnessarmbänder oder -uhren zurückgreifen wollen. Zweck der beiden Android-Wear-Modelle hier im Test ist da eher die allgemeine Information am Handgelenk. Allerdings hat die WiiWatch-Software bei der Stabilität (und Übersetzung) noch genügend Spielraum nach oben, was man auch an den Bewertungen im Play Store nachvollziehen kann.

Android-Wear gibt es heutzutage sowohl in den Android-Topmodellen, als auch auf den kostengünstigeren, zu denen auch die hier zählt. Zum Kauf aus Fernost braucht man etwas Vertrauen. Aber dort findet nicht zuletzt bei den smarten Uhren die meiste Entwicklung statt. Da hapert es eher manchmal an der Verarbeitungsqualität.

(+)
Bei der Verarbeitungsqualität hat die große DIGGRO bei uns aber bestanden. Außerdem gibt es für rund 100 Euro ein Display mit 400×400 Pixeln, SIM-Karten-Steckplatz und Minikamera. Die Watch hat einen leistungsstarken Prozessor, den braucht es für Android Wear auch. Dafür ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aber OK.
(-)
Teure Smartwatches integrieren die Hardware besser, sind also flacher gebaut. Da muss man bei den preiswerten Modellen Kompromisse machen. Ein Minus ist da eher, wenn alles aus einem Guss daher kommt und man das Armband wie hier nicht wechseln kann. Denn das weiche Silikon droht irgendwann zu reißen. Außerdem ist den preiswerten Wear-Geräten wie auch der Diggro hier gemeinsam, dass sie einfach jeden Tag aufgeladen werden müssen.

Ich glaube aber, man kann sie durchaus kaufen, ohne einen wirklichen Reinfall zu erleben, immer im Blick, dass man eben ein preiswertes Gerät vor sich hat.

KW88

Unser letztes Testobjekt hat mich noch ein bisschen mehr angesprochen. Mitunter sind es die Details, die einem gefallen. Bei der aktuellen Kingswear-Smartwatch fällt manches schon beim Auspacken auf.

So war auf dem Display nicht nur ein Transportschutz platziert, sondern eine vollwertige Displayschutzfolie. Die ist noch ein „Sandwich“, von dem man die Oberfolie vor Gebrauch abziehen muss. Auf dem Touchscreen verbleibt die Unterfolie als ständiger Schutz. Den hat man dann gleich luftblasenfrei drauf.

Außerdem ist noch ein zweites Stück kreisrunde Displayschutzfolie beigelegt. Die kann man auch als Anfänger passend auflegen, weil der Screen etwas vertieft zum außenläufigen Skalenring liegt. Das finde ich eine gute Idee.

Auch hier muss man beim Einlegen der SIM im Nano-Format aufpassen, dass einem die Schraube nicht verloren geht. Das Armband gibt es in verschiedenen Farben, es ist wechselbar, an die Stifte kommt man von außen ran. Es gibt genügend Verstellmöglichkeit für Leute mit schmalen oder kräftigen Handgelenken.

Das Gehäusedesign nebst Uhrenring und Farbgestaltung trägt dazu bei, dass man nicht den Eindruck von einer überdimensionalen Uhr hat. Der Ladeadapter ist magnetisch und hat deshalb auch den typischen Verpolschutz. Oft wird von ungenügender Magnethaftung berichtet, auch bei uns hat er nicht so richtig gehalten. Aber kein Wunder bei der kleinen Auflagefläche. Einen größeren Adapter wünsche ich mir jedoch auch nicht, da muss man wohl immer etwas vorsichtig vorgehen.

Die technischen Parameter der recht neuen KW88 sind auf der Höhe der Zeit. Sie hat einen MTK6580 Quadcore, der mit 1.39 Ghz getaktet wird. 512 MB RAM und 4 GB Permanentspeicher, GPS, Bluetooth 4.0 und diverse Sensoren. Vorne sitzt ein Amoled-Display mit 400×400 Pixeln. Mikro und Soundausgabe gibt es auch, genauso wie einen Puls- und Schrittzähler. Außerdem kann sie mit 3G ins Mobilfunknetz Verbindung aufnehmen. Die integrierte Kamera ist nett, könnte aber auf sie auch verzichten. Das Ganze ist jedenfalls schon beeindruckend für so ein kleines Teil.

(+)
Die mechanische Ausführung und das Design gefallen mir. Daneben die technischen Features, welche schon beachtlich sind. Der Unterbau entspricht einer aktuellen Watch, die auch Wear 2.0 verkraftet. Für die Betriebssystemsoftware kann die Uhr ja eigentlich nichts, die soll hier aber trotzdem als Pluspunkt aufgeführt werden, denn man erwirbt ja immer das Gesamtpaket. Mir gefällt besonders der Konnektivitätsscreen, wo ich Datentransfer, GPS, Wifi oder Bluetooth einzeln schalten kann.
(-)
Logisch, dass da ein 400mAh-Akku überfordert sein muss. Bei etwas Aktivität kommt man gerade so über den Tag. Hier kann in Zukunft mit Verbrauchsoptimierung oder etwa besserer Kapazität nur nachgebessert werden. Auch die Synchronisationssoftware „Funwear“ auf dem Mobile hat noch einige Macken…

Die KW88 hab‘ ich heute noch öfters dabei. Und damit hoffe ich, euch einen kleinen Überblick über diverse preiswerte Smartwatches gegeben zu haben…

Swen Hopfe

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